Alles halb so wild! Selbstbetrug – vom Abwehrmechanismus Verdrängung

„Schon zu Beginn fühlte ich mich in der ein oder anderen Situation mit einigen seiner Äußerungen seltsam. Aber zum einen ist er ein Meister der Manipulation und zum anderen passte meine gefühlsmäßige Kritik nicht zu dem Wunsch, uns weiterhin als gemeinsames harmonisches Paar zu sehen. Also weg damit in’s Unterbewusstsein, alles halb so wild!“

„Ein Streit. Aufkommende Wut. Jetzt nicht! Das ertrage ich nicht. Also weg damit. Und dann Leere, nur noch Anspannung. Schnitte in die Haut. Erleichterung. Alles halb so wild.“

Es gibt viele Situationen, in denen wir Menschen aufkommende Eindrücke und Gefühle verdrängen. Sie passen uns nicht. Sie passen nicht zu dem was wir glauben und fühlen wollen oder zu dem was wir sein wollen. Wir haben Angst davor, sie zuzulassen, denn sie würden eine neue Bestandsaufnahme bedeuten. Sie würden bedeuten, das Unangenehme anzusehen und aktiv zu werden, um uns dauerhaft besser zu fühlen. Sie würde auch bedeuten, unsere Fehler anzunehmen, also das, was so ungeliebt tief in uns drin steckt.

Das passiert natürlich nicht bewusst, sondern spielt sich als Abwehrmechanismus ab, den wir perfektioniert haben und kaum bemerken, wenn wir uns nicht intensiv mit uns selbst auseinandersetzen. Dann sind Probleme keine Probleme mehr, Sorgen wie weg gefegt, Wut auf uns selbst oder andere anstrengende Gefühle gegen Leere oder den schönen Schein ausgetauscht.

Es erfordert Mut und viel Horchen, die innere Stimme zu hören. Innehalten und fragen: Was fühle ich? Sich trauen und sagen: Eigentlich will ich das nicht fühlen, aber jetzt empfinde ich es.

Auf die Suche gehen, warum Gefühle und Eindrücke nicht ins Selbstbild integriert werden wollen. Welche Meinungen hast du? Welche Ansprüche hast du mal gebildet? Wie ist all das entstanden?

Mit sich selbst ehrlich zu sein ist auch die Grundlage dafür, anderen gegenüber deine Wahrheit zu zeigen. Das kann harte Arbeit sein, die sich so sehr lohnt. Diese Arbeit habe ich mit der Teilnahme an Selbsthilfegruppen und der Aufnahme von Verhaltenstherapie beginnen können und die Früchte, die ich ernte, sind so süß, dass ich dich gerne zu mehr Integrität anregen möchte. Denn diese Arbeit bleibt bei so vielen Menschen auf der Strecke. Du bist du, mit allem was du fühlst, denkst und tust – und du bist genau so in Ordnung.

Foto: Model ich, Fotograf Detlev Janssen

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