Die körperliche Alarmanlage

Der Zusammenhang von Stress und psychischen Problemen mit körperlichen Beschwerden ist mittlerweile immer mehr Menschen geläufig. Nicht umsonst gibt es auch den Fachbereich „Psychosomatik“, die Wissenschaft beschäftigt sich mit diesem Gebiet und wir dürfen auf immer mehr Ärzte treffen, denen dies nicht fremd ist.

Wenn ich von psychosomatischer Medizin spreche, geht es um körperliche Beschwerden, für die keine Ursache in unseren Organen gefunden werden kann oder um ungewöhnlich starke körperliche Beschwerden, für die eine organische Ursache sowie eine psychische Krankheit als Verstärker gefunden wird.

Stress schwächt das Immunsystem durch die Ausschüttung von Kortisol – die Folge ist ein unfitter Immunsystem-Wachtrupp, der gegen Krankheiten nicht mehr gut ankommt. Bist du z.B. oft erkältet, könnte die Verbesserung deines Stressmanagements wahre Wunder wirken. Anderes Beispiel: Gefahrensignale sorgen für vermehrte Ausschüttung von Adrenalin, das Magen- und Darmbewegungen hemmt. Hast du häufiger mit Magenschmerzen, Verstopfung oder Übelkeit zu kämpfen? Dann könnte Angst in deinem Leben ein großes Thema sein und Entspannungstechniken eine mögliche Abhilfe schaffen. Weitere Alarmsignale können Schlafstörungen, hoher Blutdruck, Zähneknirschen, Rückenschmerzen uvm. sein. Welche Ursachen hinter Beschwerden stehen, solltest du dringend mit einem Arzt gemeinsam herausfinden, Ferndiagnosen funktionieren da nicht. Aber ich wünsche mir noch mehr Sensibilisierung dafür, wie Gefühle, Lebensumstände und Gedanken unsere Gesundheit beeinflussen. Negativ wie positiv!

Dazu möchte ich dir erzählen, wie meine körperliche Alarmanlage funktioniert. Dies herauszufinden hat Jahre gedauert und da man nie auslernt und auf mich noch viele Situationen zukommen, die ich nicht vorhersehen kann, stehe ich jeden Tag mit der Bereitschaft auf, eine Bestandsaufnahme zu machen: Was fühle ich, was fürchte ich, was wünsche ich mir? Wie fühlt sich mein Körper an welcher Stelle an, seit wann und in welcher Intensität?

Halbseitige Kopfschmerzen, früher Migräneattacken, zeigen mir, dass ich Gefühle und Bedürfnisse unterbewusst weg gedrückt habe. Den Zugang zu meinen Gefühlen finde ich mittlerweile sehr viel besser als früher, in diesen Situationen hatte ich ihn aber verloren, weil ich sie nicht spüren wollte. Dieser Vorgang geschieht ganz unbewusst und ist mir über Jahre hinweg bewusst geworden. Treten die Schmerzen auf, nehme ich mir Zeit, meine Gefühlswelt zu betrachten, in einer Achtsamkeitsmeditation. Ich entdecke über kurz oder lang ein Aufflackern von Angst oder Wut, das ich sofort wieder ersticken will. Die dann auftretenden Gedanken, z.B. „ach, was für ein Unsinn“ (das Verdrängungsmuster) sind mein Signal, das verurteilte Gefühl anzuschauen. Welches Gefühl ist da, und mit welchem Bedürfnis steht es in Zusammenhang? Warum mag ich dieses Bedürfnis nicht, woher kommt das, und wie kann ich beiden in mir kämpfenden Anteilen das geben, was sie brauchen?

Das ist das am häufigsten auftretende Warnsignal meines Körpers. Ich bin froh und stolz, dieses verstehen zu lernen und mittlerweile innerhalb von Stunden wieder schmerzfrei zu sein. Genauso dankbar bin ich, dass meine Alarmanlage so gut funktioniert, denn manchmal gelingt es mir ohne sie nicht meine Bedürfnisse zu erkennen.

Jeder Körper und jede Psyche wirkt ganz unterschiedlich in diesen Wechselbeziehungen. Wenn du psychosomatische Symptome hast, dann bittest du unbewusst dich selbst um Hilfe. Dann brauchst du etwas, das du dir sonst verwehrst, dein Körper zwingt dich zur Ruhe, ins Krankenhaus oder sonstwohin. Hör dir zu, nimm dich in deiner Ganzheit wahr und ernst. Und lass dich von Ärzten und Therapeuten unterstützen – sie sind die Fachkräfte unserer Gesellschaft, die sich mit all Ihrem Wissen unserer Gesundheit widmen.

Titelbild: Model ich, Fotograf Detlev Janssen

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